Rechtschreibproblemen vorbeugen

Wie kann ich Rechtschreibproblemen vorbeugen?

Seit einigen Jahren dürfen Schulanfänger „so schreiben, wie sie es hören“. Ab der dritten Klasse wird dann von ihnen erwartet, dass sie langsam die Rechtschreibregeln beherrschen. Das klappt bei denjenigen Kindern gut, die sich die Regeln unbewusst durch viel Lese- und Spracherfahrung angeeignet haben.

Oft reichen aber die Lese- und Spracherfahrungen nicht aus! Dafür gibt es viele mögliche Gründe. Einen Faktor kannst du aber gut mit deinem Kind trainieren. Er trägt den sperrigen Namen „phonologische Bewusstheit“.

Man weiss heute, dass die „phonologische Bewusstheit“ das Eintritts-Ticket zu erfolgreicher Rechtschreibung und lockerem Schriftspracherwerb ist

 

Inhalt:
Was ist phonologische Bewusstheit?
Wie kann ich die phonologische Bewusstheit trainieren?
– Hör‘ mal!
– Wor-te in Sil-ben un-ter-tei-len
– Setze Keime für Reime
Anlaut und EndlauT
– Horst do do Vokolo?
– Wortteil oder Laut weglassen
– L-a-u-t-e trennen und zusammenfügen

 

Was ist phonologische Bewusstheit?

Wenn wir im Alltag lesen, tun wir das meistens, weil uns der Inhalt interessiert. Sprache lebt aber sehr stark von ihrer Form: von Lauten, Silben, Rhythmus und Reimen. Ein Kind, das eine gut entwickelte phonologische Bewusstheit hat, nimmt diese Bestandteile gut wahr und kann sie manipulieren.

Wie kann ich die phonologische Bewusstheit trainieren?

Das allerbeste Trainingstool ist tägliches Vorlesen, dicht gefolgt von deinem kreativen Umgang mit Sprache. Du bist aber selber kein Sprachgenie? Gerade dann wirst du hier viele rettende Ideen finden!

Hör‘ mal!

Man kann nicht sprechen (und deshalb auch nicht schreiben), was man nicht hört. Finde hier Aktivitäten, die das bewusste Hören trainieren und dazu auch die Konzentration steigern.

Wor-te in Sil-ben un-ter-tei-len

Wenn du beim Vorlesen Wörter besonders gedehnt und betont aussprichst, unterteilst du sie in Silben. Du kannst also ruhig etwas dramatisch vorlesen, z.B. „…und da stand das ni-gel-na-gel neu-e Fahr-rad!“
Fühle dich jetzt bitte nicht in deine Schulzeit zurückversetzt. Es geht nämlich nicht um Trennregeln und deshalb darfst du auch O-ma, Mu-tter oder Au-to sagen.
Als Faustregel gilt: Pro Silbe findest du 1 Vokal, wobei, au, ei, eu, äu als 1 Vokal gelten.

Silben kann man prima klatschen, hüpfen oder stampfen.
Am besten machst du deinem Kind einfach vor, wie man einfache, zweisilbige Wörter klatschen, hüpfen oder stampfen kann.  Na-se, Na-me, Ha-se. Achte darauf, dass du deine eigenen Klatschbewegungen ganz präzise mit jeder einzelnen Silbe setzt.

Übt das mit verschiedenen, deutlichen Bewegungen. Was macht deinem Kind am meisten Spass? Hüpfen, stampfen, schwingen? Hier eine kleine Auswahl an Wortmaterial:
2-silbig: Hase, Gabel, Garten, fragen, planen, sagen, Farbe,
3-silbig: Telefon, Dezember, Januar, Memory, Katalog, Motorrad, Kakadu
4-silbig: Marmelade, Schokolade
Hast du keine eigenen Ideen? Du kannst ganz einfach 2silbige Wörter, 3silbige Wörter googeln und erhältst eine wunderbare Auswahl.

Nach Silbenanzahl sortieren: Du legst die Karten des Kindermemory (oder andere Bildkarten, die ihr habt) aufgedeckt auf den Tisch. Ihr legt zuerst alle Worte, von denen ihr sicher seid, dass sie nur 1 Silbe haben, auf ein Blatt, das entsprechend markiert ist (siehe die grünen Punkte auf dem Bild). Dann kommen die 2silbigen, dann die 3silbigen Worte. Welche Karten bleiben übrig? Könnt ihr sie noch einteilen?

Memory-Karten um Silben zu legen

Memory: Ihr spielt Memory ganz regelkonform, aber jeder Spieler muss beim Aufdecken der Karten die Anzahl Silben des Bildes klatschen. Welches Wort hat mehr Silben, welches weniger?

Wer hat mehr, wer hat weniger? Memory- oder andere Bildkarten werden an die Spieler verteilt und liegen verdeckt auf einem Stapel. Jeder deckt sein oberstes Bild auf und legt es in die Mitte. Das Bild mit den meisten Silben gewinnt; der Spieler erhält beide Karten. Bei Gleichstand bleiben die Karten liegen, der Gewinner der nächsten Runde erhält alle ausliegenden Karten.

Steigerung : Die erste Runde gewinnt das Bild mit den meisten Silben, die nächste Runde das Bild mit den wenigsten Silben. Diese schwierigere Variante trainiert auch zusätzlich das Arbeitsgedächtnis und die Flexibilität.

Würfelspiel ohne Würfel: Ihr spielt ein beliebiges Würfelspiel, nehmt aber keinen Würfel, sondern verdeckte Karten. Jeder dreht eine Karte um und darf so viele Felder ziehen, wie seine Karte Silben hat.
Variante: Ihr stellt eure eigenen Wortkarten her mit richtig langen Wörtern , z.B. Flugzeugträgerkapitän, Theaterdirektorenloge, Autobahnraststättenausfahrt.

Silbensalat: Ihr schneidet ein Wort in Silben auseinander und versucht, das Wort wiederherzustellen. Damit es schwierig bleibt, verzichtet ihr auf die Grossschreibung am Wortanfang.

Worte in Silben zerschneiden

Silben summen: Ihr habt je 1 Karte mit 1, 2, 3 Silben vor euch. Nun summt ihr das Wort. Der Mitspieler muss erraten, welches Wort ihr gesummt habt. M-m-m könnte Mo-tor-rad sein, M-m könnte E-sel sein, M könnte Arm sein.

 „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“ Erinnerst du dich an diesen alten Klassiker, den wir auf Spaziergängen spielten? Hier eine kurze Auffrischung:
Pro Silbe geht es einen Schritt nach vorne, also ein=1, Hut=1, Stock=1, Re-gen-schirm=3

Ein Hut, ein Stock, ein Re-gen-schirm (Mit jeder der 8 Silben je einen Schritt machen)
Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ein (nach vorne hüpfen, nach hinten, zur Seite, Mitte)
Hacke, Spitze, hoch das Bein (rechtes Bein auf Ferse tippen, dann auf Spitze tippen, Bein anheben)
Und dann beginnt es wieder von vorne, diesmal mit dem linken Bein

Setze Keime für Reime

Lies deinem Kind auch immer Reime vor. Wenn dein Kind sie schon kennt (oder schon ein Gespür dafür entwickelt hat), dann warte vor dem Reimwort einen Moment. Lass dein Kind das passende Reimwort selber sagen:
Fröschebein‘ und Krebs und Fisch.
Hurtig, Kinder, kommt zu …. Tisch!

Besonders Quatschtexte dürften deinem Kind den Sinn für Reime näher bringen. Einige Vorschläge findest du hier.

Anlaut und EndlauT

Stadt-Land-Fluss: Spielt das altbekannte Stadt-Land-Fluss. Je nach Alter und Wissensstand der Mitspieler müsst ihr eventuell einfachere Kategorien wählen wie z.B. Vornamen, Tiere, Speisen, Spielsachen.

Domino: Verteilt Memory- oder andere Bildkarten an alle Spieler und legt sie offen hin. Der erste Spieler legt eine Karte auf. Im Uhrzeigersinn versucht jeder, an den Endlaut den passenden Anlaut zu legen, also z.B. Schiff-Fisch-Schlange-Esel-Leiter-Rad.

Jeder zieht 5 Karten. Wer hat bei seinen Memory-Karten die meisten Begriffe mit dem selben Anfangslaut? Wer hat die meisten mit dem selben Endlaut?

Horst do do Vokolo? 

Hörst du die Vokale? Drei Chinesen mit dem Kontrabass – und anschliesend eine eigene Geheimsprache entwickeln

Wortteil oder Laut weglassen

Wir können Wortteile weglassen: Was wird aus „Kopfsalat“, wenn wir den Kopf weglassen? Genau, ein Salat.
Macht weitere Trennungen: Puppenhaus, Rennauto, Skischuh, Autogarage, Kleiderschrank, Hundehütte, Taschentuch, Fahrrad, Hausdach etc.

Wir können Anfangs- oder Endlaut weglassen: Was ist Reis ohne R, Schlauch ohne Sch, Brot ohne R (oh, die Champions spielen sogar mit den Mittellauten!)? Findet ihr noch mehr Beispiele?

Auf der Mauer, auf der Lauer: Singt miteinander dieses Lied. Am Anfang hilft eine visuelle Unterstützung des Wortes Wanze-Wanz-Wan-Wa-W, mit der Zeit sollte dies auch in der Vorstellung zu schaffen sein.

L-a-u-t-e trennen und zusammenfügen

Laute zu trennen und zusammenzufügen ist für Kinder am Anfang ungewohnt und deshalb noch etwas schwierig. Es spricht ja auch niemand so im wirklichen Leben…!

Ich erkläre das gerne so, dass der Roboter abgehackt spricht (er trennt die einzelnen Laute), und dass es das bitte in Menschensprache übersetzen soll. Je überzeugender du das Roboter-Spiel gestaltest, desto grösser sind die Chancen, dass dein Kind begreift, was du von ihm hier erwartest.

Diese Worte und ihre Bilder kann man einfach in Robotersprache übersetzen:
Lade hier dein pdf herunter: Was meint der Roboter

Laute zusammenfügen

Lege also 2-3 Bilder vor dein Kind und nenne ein Bild, indem du nur den ersten Laut abgesetzt aussprichst, also H-and, G-abel. Wenn es dies schon gut „übersetzen“ kann, schaust du, ob es auch klappt, wenn keine Bilder vorhanden sind (falls nicht, bleibst du noch länger bei den Bildern und versuchst es in ein paar Wochen wieder): M-und, M-ond, N-ase.

Steigerung: Lege jeweils 2-3 Bilder vor dein Kind und frage, welches Bild der Roboter meint, wenn er „A-r-m“ sagt. Hier machst du nach jedem Laut eine kleine Pause.
Achtung: Es geht hier um Laute (also genau das, was man hört), nicht um Buchstaben. Ein „sch“ ist 1 Laut.

 Mit der Zeit kann dein Kind längere Wörter in der Robotersprache erkennen und in Menschensprache übersetzen oder sogar selber in Robotersprache sprechen. M-a-n-t-e-l, F-l-a-sch-e-n.

Bestimmt hast du jetzt ein Gespür dafür entwickelt, was „phonologische Bewusstheit“ für die Sprache bedeutet. Da sie sich über mehrere Jahre immer weiter entwickelt, kannst du dir mit diesen Spielen, Liedern und Übungen schön Zeit lassen.

Übt kurze Zeit, dafür oft – und denkt daran: Man soll es tun, man muss es nicht können!

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