Motivation fördern - ohne Lob

Wie kann ich die Motivation meines Kindes fördern?

Wie du die Motivation deines Kindes viel besser förderst als mit „Das ist aber schön!“

Wir tappen alle so schnell in diese Falle: Unser Kind überreicht uns freudestrahlend eine Zeichnung und unser erster Reflex ist  „Das ist aber schön!“ Welche Reaktionen viel besser wären, erfährst du hier.

Warum sollst du denn nicht sagen: „Das ist aber schön“?

Dein Kind erwartet immer wieder ein Lob

Es hat einen unterbewussten Deal mit dir „Zeichnung gegen Lob“.

Ja, klar: Lob rutscht uns immer wie geölt runter. Wir werden aber auch süchtig nach mehr. Finden die andern immer noch gut, was ich mache? Finden sie mich gut?

Es kommt zur falschen Annahme: Lob erhalten = Liebe erhalten

Ich muss alles gut, schön und richtig machen, damit ich Liebe erhalte. Ich werde für meine Leistung – meine schöne Zeichnung – geliebt und nicht meiner selbst willen.

Es verliert sein Gefühl dafür, was es selber gerne macht und gut findet

Nichts motiviert uns so sehr wie dieses tolle Gefühl, Schwierigkeiten überwunden und etwas erschaffen zu haben. Dieses YESSS spüren wir in uns selber. Das YES lässt uns immer wieder Probleme meistern, Lösungen suchen, Selbstvertrauen entwickeln.

Schwierigkeiten überwinden und etwas schaffen

Es setzt sich selber unter Druck

Es wird letztlich sich selber immer mehr unter Druck setzen, Bestätigung zu erhalten. Bestätigung von außen, Bestätigung in Form guter Noten.

DU verpasst eine Chance

Du verpasst die Chance, mit ihm ein möglicherweise ganz tiefes Gespräch zu führen..

„Das will ich doch nicht“, höre ich dich sagen. Klar! Aber kennst du auch viele Erwachsene, die dir niedergeschlagen erzählen, sie hätten zuhause verinnerlicht, dass sie nur geliebt werden, wenn sie

  1. gute Schüler sind
  2. Leistung erbringen
  3. Erwartungen erfüllen

Gleichzeitig kenne ich auch viele Eltern, die mir erzählen, ihr 8jähriges Kind setze sich selber so stark unter Druck. Ich glaube Ihnen! Die Eltern lieben ihr Kind aufrichtig und wollen es zu einem selbstbewussten und selbstbestimmten, glücklichen Menschen erziehen. Ihr Lob ist ja so gut gemeint!

Sie bringen ihrem Kind damit aber leider auch bei, dass Motivation von außen mehr zählt! Denn das Kind liebt auch seine Eltern und will sie glücklich machen. Wenn die Eltern lächeln und es loben, scheinen sie glücklich zu sein. Also macht es mehr vom gleichen.

Extrinsische Motivation – Intrinsische Motivation

Man nennt die von aussen kommende Motivation extrinsische Motivation. In diese Kategorie gehören bei Erwachsenen z.B.

  • Geld und Ansehen, sozialer Status
  • eine Berufswahl, welche die Eltern stolz macht
  • soziales Engagement nur für den Lebenslauf

Gerade weil immer auch ein Teil extrinsische Motivation mit dabei ist, ist es so wichtig, die intrinsische Motivation ganz besonders zu pflegen! Die Japaner nennen diese übrigens „das Gefühl etwas zu tun, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen“. Alles klar, wir wissen, wovon wir sprechen!

Wie die Motivation fördern?

Wie die intrinsische Motivation fördern?

Wie kannst du bei so etwas Alltäglichem wie Kinderzeichnungen die intrinsische Motivation fördern?

  1. Interessiere dich dafür, WAS es alles gezeichnet hat. Lass es erzählen, frage nach.
  2. Wenn du etwas nicht erkennst, dann lacht darüber, dass DU das nicht gemerkt hast.
  3. Frage es, WO es so etwas gesehen und erlebt hat. Und wie war das da genau?
  4. Sei neugierig. Eine der stärksten Formulierungen in Gesprächen ist „Du machst mich neugierig: wie kommt es, dass…“ Damit zeigst du, dass du dich interessierst, dass du etwas von ihm lernen willst, dass du positiv eingestellt bist.
  5. Lass dir erzählen, WIE es seine Wahl getroffen hat. Aha, es gab nur noch braun, schwarz und dunkelblau. Super, dass du mit dieser kleinen Auswahl an Farben trotzdem gemalt hast. Aha, auf der linken Blatthälfte lag das Stofftier, deshalb ist alles auf der rechten Seite gezeichnet.
  6. Was war besonders schwierig zu zeichnen? Erzähle, was du selber nicht gut zeichnen kannst: Pferde? Frisuren? Füße?
  7. Wie hat es Probleme gemeistert? Hat es etwas weggelassen, nur in groben Zügen gezeichnet, abgeguckt, korrigiert? Super, es hat sich mit bewährten Strategien zu helfen gewusst. Es hat eine Lösung gefunden!
  8. Wenn es immer Rennautos zeichnet (oder Drachen, Brücken, Bäume), besprecht sein Interesse: Welche Rennautos gefallen dir ganz besonders? Was zeichnest du, damit wirklich jeder merkt, dass es ein Drache ist?
  9. Was soll mit dem Bild geschehen? Ist es ein Geschenk an dich? Oder sollst du es der Oma schicken? Sollst du es aufhängen?
  10. Auch wenn du gerade nicht Zeit für ein Gespräch über Kunst hast, bedanke dich  und sag, wie du die Zeichnung nutzen willst. Du nimmst sie als Buchzeichen, du hängst sie am Abend an den Kühlschrank, du wirst sie ins Büro mitnehmen…

Mit diesen Alternativen förderst du die drei Hauptpfeiler, die Forscher der Motivationslehre nennen:


Autonomie, Kompetenz, soziales Eingebundensein

Das Kind erlebt sich als autonom: es kann sämtliche Entscheidungen treffen, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen. (Kann ich dich nun überzeugen, dass es sich lohnt, rechtzeitig und mit so kleinen Dingen wie Kinderzeichnungen zu beginnen?)

Es ist kompetent, weil es die Bestätigung erfährt, dass es die Dinge auf seine Weise angehen darf. So kann es sich auch selbstbewusst weiter entwickeln.

Das Kind ist sozial eingebunden, denn im Gespräch mit dir erfährt es Zugehörigkeit, Akzeptanz und Geborgenheit.

 

Du kennst die aktuellen Zeichnungen deines Kindes am besten: Wie willst du das nächste Mal mit deinem Kind über seine Zeichnung reden?

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